„Der Kurs hat über eineinhalb Jahre viel Input bekommen, wurde unter anderem von Experten des Bayerischen Rundfunks geschult – heute geht es darum, das Erlernte umzusetzen, auch mit entsprechendem Inhalt“, erklärt Gymnasiallehrer und Kursleiter Stephan Wrana mit Blick auf das anstehende Abitur im Frühjahr 2026.
Bereits vorab hatten sich die Mitglieder des Rhetorik-Kurses thematisch auf die Wehrpflicht geeinigt. „Es ist ein Thema dieser Zeit, im Fokus der gesellschaftlichen und politischen Agenda und betrifft vor allem uns junge Menschen“, erklärt Schüler Raphael Pfaffinger, Leiter der Podiumsdiskussion. Er übergibt das Wort zur Einführung und inhaltlichen Vorbereitung des Publikums, bestehend aus weiteren Schülerinnen und Schülern, sowie Mitgliedern des Lehrerkollegiums, an vier Experten, die sich mit den Bereichen Wehrpflicht im Grundgesetz, Bedarfswehrpflicht, Musterung und Losverfahren inhaltlich auseinandergesetzt haben.
Auf dem Podium fanden sich neben dem Diskussionsleiter, je zwei Schülerinnen und Schüler, die sich mit der übergeordneten Fragestellung „Per Los zur Wehrpflicht?“ beschäftigt und hier Argumente für und gegen eine Wehrpflicht per Losverfahren vorgetragen haben, sowie MdL Josef Heisl in seiner Funktion als Jugendpolitischer Sprecher der CSU-Landtagsfraktion. „Zunächst möchte ich meinen Respekt für die inhaltlich starke Auseinandersetzung mit dieser Thematik zum Ausdruck bringen. Ihr seid top vorbereitet – auch vor dem Hintergrund, dass die vorgetragene Meinung nicht zwangsläufig der persönlichen Meinung entspricht. Ihr seid tief drin in diesem Thema und es muss Euch auch tatsächlich beschäftigen“, macht Heisl deutlich. Man stehe in einem massiven Spannungsfeld und müsse den Krieg auf europäischem Boden als ernste Bedrohung annehmen.
Die vorgetragenen Argumente und damit Grundlage der Diskussion um ein Losverfahren für die Wehrpflicht reichten dabei von der ethisch und moralischen Verwerflichkeit, die mangelnde Wehrfähigkeit, der einschränkenden Freiheit für die Betroffenen, der Einführung einer europäischen Armee, bis hin zur veränderten sicherheitspolitischen Lage oder auch die grundlegende Pflicht der Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr – unzählige Aspekte haben ein Losverfahren aus den unterschiedlichsten Sichtweisen heraus, gleichermaßen positiv, als auch negativ beleuchtet. Auch MdL Heisl hat im Zuge der Diskussion seine Meinung dargelegt: „Die Freiwilligkeit hat für mich oberste Priorität. Ein Modell, das auf Freiwilligkeit basiert, bringt meines Erachtens in einem ersten Schritt sogar die größtmögliche Tragfähigkeit mit sich. Wer sich freiwillig dem Wehrdienst zur Verfügung stellt, tut dies aus voller Überzeugung für die Sache – das ist wertvoll für das gesamte System und verleiht damit die größte Tragfähigkeit.“
Im Zuge der Podiumsdiskussion folgte nach Darlegung der unterschiedlichen Statements die freie Aussprache auf dem Podium – „sicherlich die rhetorisch größte Herausforderung, weil man sich hier am wenigsten vorbereiten kann und sich allein auf seine inhaltlichen Argumente stützen kann“, weiß der Kursleiter. Schließlich wurde von den Debattierenden auf die Fragen des Publikums eingegangen und dahingehend auch das von der CSU-Landtagsfraktion anvisierte verpflichtende Gesellschaftsjahr zur Sprache gebracht, das neben dem Wehrdienst auch andere gesellschaftliche Bereiche in den Fokus nimmt.
Nach den finalen Plädoyers der Debattierenden nutzte MdL Heisl die Gelegenheit, um sich bei den Schülerinnen und Schülern für die bereichernde Diskussion zu bedanken: „Ihr seid die Zukunft und deswegen ist es wichtig, dass Ihr mitdiskutiert und Euch mit den Themen der Zukunft – die Euch betreffen – beschäftigt und gehört werdet.“ Dabei outet sich der Jugendpolitische Sprecher abschließend nochmals deutlich als Fan eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres: „Ein Dienst für die Gesellschaft wird unsere Demokratie weiter stärken und uns näher zusammenwachsen lassen“, ist Heisl überzeugt.
„Hier wurde über knapp zwei Stunden sachlich diskutiert und sämtliche Positionen abgewogen dargelegt. Darauf basierend kann hier jeder Teilnehmende jetzt rausgehen und sich seine persönliche Meinung bilden. Das ist eine echte demokratische Diskussion“, dankt auch Schulleiter Stefan Stadler abschließend für das große Engagement der Schülerinnen und Schüler.
Foto (Stefanie Starke): Auf dem Podium des Rhetorik-Kurses (vorne v. l.) Jovana Mihajlovic, Maja Sierig, MdL Josef Heisl, Raphael Pfaffinger, Vitus Leebmann und Korbinian Kreileder, dahinter weitere Kursteilnehmer (v. l.) Simon Klosterhuber, Lilly Münzberg, Joahna Moser, Sophie Heudecker, Paul Wolf, Clemens Brandstetter mit Schulleiter Stefan Stadler und Kursleiter Stephan Wrana.