„Bürokratieabbau muss endlich auch in den Betrieben ankommen“
Isolierglas produzieren, sicher für den Transport verpacken und anfallende Materialien anschließend fachgerecht recyceln lassen.
Eigentlich ein eingespielter Ablauf bei WEHA-THERM in Hutthurm. Doch jetzt tritt die neue EU-Verpackungsordnung, kurz PPWR, in Kraft und nun muss sich das Unternehmen mit zusätzlichen Vorgaben beschäftigen, die Geschäftsführer Daniel Freund erheblich belasten. „Wir reden ständig über Bürokratieabbau und dass wir unseren Unternehmen unter die Arme greifen wollen und dann kommt sowas. Wir kümmern uns bereits um Recycling und Entsorgung und arbeiten dafür mit einem professionellen Partner zusammen und trotzdem müssen wir uns jetzt wieder mit neuen Vorgaben rund um Verpackungen beschäftigen. Das ist unglaublich aufwendig und erschwert unsere tägliche Arbeit. Die Zeit, die wir hier investieren kommt uns an anderer Stelle zu kurz.“ schildert der Hutthurmer Daniel Freund.
Genau darüber wollte sich der Landtagsabgeordnete Josef Heisl bei einem Besuch im Unternehmen ein eigenes Bild machen. „Ich weiß welche Bedeutung unsere Unternehmen für den Ort und die gesamte Region haben. Deshalb möchte ich mir gerade hier regelmäßig direkt anhören, wo der Schuh drückt, egal ob es ein Problem auf Europäischer-, Nationaler- oder Landesebene ist.“
WEHA-Therm produziert in Hutthurm Isolierglas und beliefert damit Fensterbauer. Wie viele Unternehmen aus der Baubranche spürt auch der heimische Betrieb die derzeit schwierige wirtschaftliche Lage. Die Produktionsmenge ist zurückgegangen, während gleichzeitig versucht wird, Preise, Auslastung und Beschäftigung möglichst stabil zu halten. Hinzu kommt ein zunehmender Wettbewerbsdruck durch günstigere Produkte aus dem europäischen Ausland. „Die wirtschaftliche Lage allein verlangt uns momentan schon viel ab. Die sinkende Baukonjunktur macht sich auch bei uns bemerkbar, wir sind ohnehin gefordert. Umso ärgerlicher ist es, wenn uns zusätzlich immer mehr Zeit durch bürokratische Pflichten genommen wird“, machte Freund deutlich.
Ein Beispiel dafür ist die neue europäische Verpackungsordnung. Mit der sogenannten Packaging and Packaging Waste Regulation will die Europäische Union Verpackungsabfälle reduzieren und die Kreislaufwirtschaft stärken. Die Zielsetzung sei nachvollziehbar, so Heisl. Entscheidend sei jedoch, wie neue Vorgaben in der betrieblichen Praxis umgesetzt werden. Gerade mittelständische Unternehmen dürften nicht mit immer neuen Prüf-, Organisations- und Dokumentationsaufgaben überfordert werden.
„Niemand stellt infrage, dass wir Ressourcen schonen und Verpackungen möglichst sinnvoll wiederverwerten müssen. Aber wenn ein Unternehmen bereits funktionierende Abläufe hat und mit einem professionellen Recycler zusammenarbeitet, müssen wir uns schon fragen, welchen Mehrwert zusätzliche bürokratische Vorgaben tatsächlich bringen“, so der Abgeordnete. „Ein mittelständischer Betrieb kann nicht für jede Verordnung zusätzliches Personal einstellen, das sich ausschließlich um Dokumentation und Nachweise kümmert.“
Für Freund steht die PPWR dabei stellvertretend für eine Entwicklung, die das Unternehmen zunehmend beschäftigt. Politisch werde seit Jahren über Bürokratieabbau gesprochen und Berichts- und Dokumentationspflichten hinterfragt, im betrieblichen Alltag kämen jedoch immer wieder neue Anforderungen hinzu. „Wir wollen uns um unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und unsere Produkte kümmern. Dafür sind wir Unternehmer. Wenn aber immer mehr Zeit für Formulare, Statistiken und neue Vorgaben draufgeht, fehlt diese Zeit genau dort, wo eigentlich Wertschöpfung entsteht.“
Neben der Bürokratie ging es m Gespräch auch um die Wettbewerbsbedingungen für heimische Unternehmen. Freund berichtete davon, dass Investitionen in anderen europäischen Ländern teilweise stärker gefördert würden und deutsche Betriebe dadurch bei den Preisen zunehmen unter Druck gerieten. Gerade in der aktuellen schwachen Baukonjunktur verschärfe dies den Wettbewerb zusätzlich.
MdL Heisl sieht deshalb nicht nur in Bayern und in Deutschland, sondern auch auf europäischer Ebene Handlungsbedarf. „Unsere Unternehmen wollen keine Sonderbehandlung. Sie wollen investieren, Arbeitsplätze sichern und mit guten Produkten im Wettbewerb bestehen. Dafür brauchen sie aber faire Rahmenbedingungen. Wenn wir gleichzeitig über Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit sprechen, können wir unseren Betrieben nicht immer neue bürokratische Lasten aufbürden.“
Gerade solche Rückmeldungen aus der Praxis sind MdL Heisl wichtig und nehme er mit besonderem Nachdruck mit: „Wenn mir ein Unternehmer aus unserer Region sagt, dass die Belastungsgrenze erreicht ist, dann nehme ich das ernst. Unsere Betriebe schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung vor Ort, deshalb müssen wir zuhören und bereit sein, Regelungen infrage zu stellen, wenn sie in der Praxis nicht funktionieren.“